Kirchen

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3 Kirchen im Havelland: Buschow, Möthlow und Liepe

Ein Essay von Heike Hanefeld

“Tod oder Taufe” lautete die Parole, mit der 1147 ein deutsches Heer unter Albrecht dem Bären in das Havelland einfiel. Dieser Angriff auf die dort ansässigen Slawen hatte durch Bernhard von Clairvaux, dem Initiator des zweiten Jerusalem-Kreuzzugs, den Segen erhalten als ebenbürtiger Kreuzzug. Für die gewaltsame Missionierung der Bevölkerung stand aber als Lohn nicht allein die Gnade Gottes und der Kirche in Aussicht, sondern auch handfester materieller Gewinn: „Wenn die Kreuzfahrer es wünschten, könnten sie das beste Land zum Siedeln erwerben. Zwar seien die Heiden schlimm, ihr Land jedoch sei reich gesegnet mit Fleisch, Honig und Mehl.“ Gegen die militärische Übermacht der Kreuzfahrer besaß die einheimische Bevölkerung keine Chance, und so eroberte Albrecht der Bär die Vorherrschaft über die Region. In Folge davon entstanden zahlreiche Kirchen und Klöster als Missionsstützpunkte, die noch heute an den Prozeß der Christianisierung erinnern.
Viele der havelländischen Gotteshäuser stammen aus dem Mittelalter. Massiv aus Feld - und Backsteinen erbaut, künden sie nicht nur von der Macht der Kirche, sondern besaßen auch eine Schutzfunktion gegen Überfälle, da sie bis in das 19. Jahrhundert hinein meistens das einzige feste Gebäude eines Dorfes darstellten.
Im 19. Jahrhundert, wesentlich inspiriert durch Karl Friedrich Schinkel, begann man damit, die alten Kirchen als Kunstdenkmal zu bewahren. Meist jedoch überschritten die Baumaßnahmen den Rahmen einer Restaurierung: Es wurde umgebaut, vergrößert, Türme hinzugefügt, die Innenausstattung durch Ornamente ergänzt. Letztlich strebten die Baumeister danach, die Gotteshäuser dem herrschenden Geschmack der Zeit - dem Historismus - anzupassen.

Theodor Fontane dürfte sein Ideal von einer Dorfkirche - “schlicht, einladend, hübsch gelegen” - in Liepe verwirklicht gesehen haben. Dieser schmucke Ort, bereits 1304 erstmals urkundlich erwähnt, besaß seit dem Mittelalter eine Feldsteinkirche, die 1881 im neogotischen Stil mit Backsteinen umfassend erneuert wurde. Dazu gehörte auch der Einbau einer Orgel, die von massiven Spitzbögen eingerahmt ist.
In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte man den Innenraum umgestaltet und im Zuge dessen viele historische Verzierungen entfernt. Dank privater Initiative aus dem Kreis der Gemeinde gelang es, in den letzten Jahren einen Restaurierungsprozeß in Gang zu bringen.
Sofort ins Auge fällt ein prächtiger barocker Engel, der in der Mitte des Raumes schwebt. Ursprünglich als Taufengel genutzt, trägt er jetzt einen Kerzenleuchter. An das in Liepe ansässige alte märkische Adelsgeschlecht von Bredow erinnern der eindrucksvolle Totenschild von 1519 und ein Epitaph von 1572. Ein weiteres markantes Detail stellt der barocke Kanzelkorb mit Akanthusschnitzwerk dar.

Eine direkte Verbindung von Glauben und Wehrhaftigkeit spiegelt die Kirche von Buschow wider. Errichtet 1864 im neoromanischen Stil, integrierte man in den Bau einen gotischen Wehrturm. Seine einstige Funktion läßt sich klar erkennen an der wuchtigen, schnörkellosen Bauweise - im unteren Teil aus Feldsteinen, im oberen aus Backsteinen - und den wenigen kleinen Öffnungen. Ein Kielbogenportal bildet den Eingang, die Decke des vorderen Raumes ist als Kreuzrippengewölbe gestaltet. In das obere Geschoß führt eine Wendeltreppe, der Turmabschluß wurde 1891 hinzugefügt. Das Kirchenschiff, ein rechteckiger Putzbau mit halbrunder Apsis, ist hell und betont schlicht, von der ursprünglichen Ausstattung blieb nichts erhalten. Obwohl durch einen Zwischentrakt miteinander verbunden, besteht ein starker Kontrast zwischen mittelalterlichem Turm und neuzeitlichem Kirchenschiff und schlägt so einen Bogen über Jahrhunderte.

Nach den Verheerungen des Dreißigjährigen und Schwedisch-Brandenburgischen Krieges erlebte das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung, und in Folge davon errichtete man auch neue Gotteshäuser. 1684 entstand die Kirche von Möthlow in Fachwerkbauweise, die dann 1906 als neogotischer Putzbau erneuert wurde. Weil jedoch unter dem Putz das Fachwerk des Turmes zu verfaulen begann, mußte er 1983 abgetragen werden. Das Kirchenschiff wurde mit einer Giebelwand verschlossen, stilistisch angeglichen durch die Form der Fenster und der spitzbogigen Tür.

Das Herzstück des intimen Innenraums bildet ein wunderschöner zweigeschossiger Altar aus dem Jahre 1600. In der Predella befindet sich ein Abendmahlsgemälde und im Mittelpunkt ein Relief, das Gottvater mit seinem geopferten Sohn zeigt. Seitlich zwischen den Säulen sind die vier Evangelisten abgebildet. Auch die hölzerne Kanzel stammt aus der Zeit um 1600. Auf einer gedrehten Säule ruht der Kanzelkorb, verziert mit einem Wappen sowie Bildnissen von Jesus und Johannes. Darüber wölbt sich der mit Engeln bemalte Schalldeckel. Das schlichte Kirchenschiff bildet den idealen Rahmen für diese Kostbarkeiten der Spätrenaissance.

“Die trivialste märkische Dorfkirche kann immer noch das Rührendste und die häßlichste immer noch Schönste verbergen.”                                                                                    Theodor Fontane

24.7.2009