Philipp Geist

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VITA

zu den Bildern der Installation

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Fotoarbeiten von Philipp Geist

Die Fotoarbeiten sind in einer katholischen Kirche in Casablanca entstanden.

Der Realismus im Unsichtbaren

Beim Betrachten seiner Fotografien ist es kaum zu glauben, dass sie ohne Nachbearbeitung entstanden sind. Sofort drängt sich die Frage auf, was Geist dort abgelichtet haben könnte. Seine Bilder sind zum großen Teil schemenhaft und scheinen einer in Licht und Dunkel getauchten Traumwelt entsprungen zu sein, dabei beruhen sie auf Objekten und Situationen, die der Alltagswelt entnommen sind. Zusammen mit dem Licht der Umgebung und durch die Bewegung eines mit der Kamera Malenden zerfallen die Objekte in Strukturen, Linien und Farbfelder, die nur in den seltensten Fällen Rückschlüsse auf ihre frühere, unfragmentarische Form zulassen. In ihrer Komposition verweisen die Fotografien auf abstrakte Gemälde, die gleichzeitig Querverbindungen und Assoziationen zu verschiedenen Sujets der Kunstgeschichte, aber auch zu persönlichen und unerwarteten Erinnerungen hervorrufen: die Farbexplosionen in der Natur, urbane und geometrische Architekturen, und zwei Themen, mit denen sich der Künstler auch in anderen Medien auseinandersetzt: Wasser und Zeit. Tatsächlich lassen nicht nur diese Motive, sondern auch die verwendete Technik Geists Fotografien zu einer Art Bindeglied zwischen seinen abstrakten Malereien und Videoarbeiten werden. Einerseits ähnelt die Bewegung der Kamera der eines Pinsels und das fertige Bild erinnert an ein gemaltes, abstraktes Gemälde, andererseits sind die zeitlichen Elemente von Belichtungsdauer und Bewegungslänge in den Fotos manifest und erzeugen eine Art ausgedehnte Momentaufnahme, ähnlich einer Videosequenz.

So verschwimmen die Grenzen zwischen den Medien und Philipp Geist zeigt eine für uns ungewohnte, durch Abstrahierung und Verzeitlichung von Raum und Objekt erzeugte Realität.

Text Viola Fissek © 2009

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Videoarbeiten von Philipp Geist

Fleeting Monuments

In seiner Videoarbeit “Fleeting Monuments” beschäftigt sich der Künstler Philipp Geist mit Skulpturen, Gemälden und Symbolen aus verschiedenen religiösen Kontexten. Die Aufnahmen sind in Kirchen und Kathedralen in Rom, an und in der Moschee Hassan II in Casablanca (Marokko) und in der Stadtpfarrkirche in Weilheim i.Obb. entstanden. Die Bilder und Symbole aus dem Islam und dem Christentum fügen sich zusammen und verbinden sich.

Philipp Geist abstrahiert die Aufnahmen und reduziert diese auf Formen und Flächen. Dabei entsteht ein Wechselspiel zwischen Abstraktion und Realismus Die Bilder und Strukturen werden überlagert, bauen sich auf und verblassen wieder, als Metapher für das Vergehen der Zeit und die Veränderung der Geschichte. Es entstehen eine komplexe Bildarchitektur, die ständig im Fluss ist, und Bildkompositionen, die teils minimal-puristisch, teils farbintensiv, traumartig und schemenhaft-zerbrechlich wirken.

TIMELESS

Die Videoarbeit “Timeless” zeigt einen Jungen in einem knallroten Pullover in Casablanca, aufgenommen an der Moschee Hassan II. Der Junge vergisst die Zeit, spielt selbstvergessen und bewegt sich wie nach einer abgestimmten Choreografie. Der Künstler überlagert die Aufnahmen und kopiert diese ineinander. Es entsteht ein Zusammenspiel zwischen dem Jungen und sich selbst in versetzter Zeit.

Philipp Geist (Berlin)  VITA